Gehen, 25. März

Ich plane eine Reise zu Fuß an den Landstraßen entlang. Ich habe kein bestimmtes Ziel, es geht nur darum, sich aufzumachen und loszugehen. Auf Google Maps stecke ich die Route ab, ich sehe die Landstraßen in Waldstücken verschwinden, sehe die Städte, die von oben wie etwas ganz und gar Unbewohnbares erscheinen, wie etwas Kriminelles sogar, eine Art Verbrechen. Vielleicht laufe ich zur Küste, sage ich mir. In die Berge möchte ich nicht, im Gebirge bekomme ich immer eine Heidenangst und Beklemmung. Alles ist dort so eng, obwohl es auch weit ist, aber die Flanken des Gebirges verstellen manchmal den Himmel und schaffen ein klaustrophobisches Gebiet, das mich panisch werden lässt. Nur auf den Gipfeln geht es, dort lässt die Angst wieder nach. Doch dann denke ich, dass ich auch an der Küste nichts verloren habe. Mir fällt es schwer, eine Reise um des Reisens willen zu beginnen, ich fühle mich dafür bereits zu alt. Mit Anfang zwanzig ist das kein Problem, aber jetzt? Ich denke sofort an einen Zweck, an ein Ziel, etwas, das ich mit dieser Wanderung erreichen will. Und das ist natürlich Quatsch, ich sage mir, das ist alles Unsinn, daran musst du keinen Gedanken verschwenden, denn das alles steht deiner Wanderung im Weg. Ich überlege, wo ich schlafen soll, wo ich ein Zelt herbekommen kann, ob meine Wanderschuhe bis zur Küste durchhalten (wahrscheinlich tun sie das). Und dann denke ich, sobald du an der Küste bist, gehst du direkt zum Meer und wirfst dein ganzes Gepäck, den Rucksack, das Zelt, den Schlafsack und all deine Kleider einfach ins Wasser, siehst deinen Sachen beim Untergehen zu. Und weiter denke ich nicht, über den Untergang möchte ich gar nicht hinaus. 

Mach dich auf

Es gibt nur das Eine

Zwei Birken, die Buche, dahinter das Haus

Und den unbetasteten Himmel

Es hängt rote Wäsche im Wind

Und ich denke: dieses Bettlaken sieht wie eine Fahne aus

Ein Zeichen, das mich aufwecken soll

So wie die lautlosen Schatten

Manchmal ist alles so still

An einem Donnerstag

Oder am Tag danach

Wenn der Verkehr wie eine Aufnahme in Zeitlupe wirkt

Wenn er keine Macht besitzt, keine Wirklichkeit

Dann rufen die Vögel

Während du schreibst, gleiten sie hinab in den Hof

Und du weißt: dort wartet die herrenlose, schwarze Katze

Ich sah sie gestern auf dem Moosdach und bewunderte ihren tastenden Gang

So geschmeidig würde ich auch gerne gehen

Leise, unhörbar

Der bewundernswürdige Gang der Tiere

Er erinnert dich an eine Nacht

An das ausgefallene Licht

Den Winter

Das Fernbleiben der anderen

Das Schleichen durch die Flure

An eine fremde Welt nach Mitternacht