Teich, 16. März

Ich stelle mir vor, dass die Häuser verlassen sind. Der Verkehr ist endlich verschwunden, die Türen der Wohnungen sind abgeschlossen. Man hat die Städte endgültig satt. Alle haben sich auf den Weg gemacht, haben die Ausfallstraßen gewählt, die Bundesstraßen, irgendwelche kaum befahrenen Wege. Der Wind treibt auf dem Fluss kleine Wellen gegen die Strömung. Das Wasser bildet Gebirgsketten und diese Gebirgsketten staffeln sich nacheinander auf, formen ein geometrisches Muster wie im Gewebe eines persischen Teppichs, dort, wo die Bilder verboten sind. Die Schulen sind zu, in den Parks tobt der Sturm. Von den alten Kastanien reißt es Zweige und Äste hinab und auf den Kieswegen verkeilt sich das tote Holz ineinander, um als brüchiges Knäuel zuerst über die Wiese zu wandern, dann über das Fußballfeld, an den Sportgeräten vorbei und schließlich am Zaun, der den Tennisplatz vom Rest des Parks trennt, zu enden. Irgendetwas ist geschehen. Es ist März und im März nimmt man den Wechsel des Wetters nicht weiter ernst. Die plötzlichen Stürme gehören dazu, man hat sich an sie gewöhnt. So geht man allein durch den Park. Die verschwundenen Menschen fallen nicht auf, sie besaßen, wenn man ehrlich zu sich ist, stets nur erträumte Biographien, deuteten auf Dinge, die sich niemals recht in Erfahrung bringen ließen, sprachen über Ereignisse, so wie man über weit entfernte Länder spricht, über den Tagesablauf eines Bewohners von Hanoi zum Beispiel. Im Park befällt flaschengrünes Moos die Bäume, Misteln füllen ihre kahlen Kronen aus. Ich halte vor dem künstlichen Teich. In der grauen Tiefe schweben weichgezeichnete Körper durch eine behäbige, schwere Masse, die mir nicht wie Wasser erscheint, sondern träger ist, Öl, Gallert, eine Flüssigkeit kurz vor dem Ersticken. Ich nehme langsame Bewegungen wahr, die von einem Traum nicht leicht zu unterscheiden sind, aber ich träume nicht und behalte das Wasser im Auge. Die grauen Körper nähern sich der schmutzigen Oberfläche, auf der sich faulendes Laub, leere Plastikflaschen und anderer Müll zu übersichtlichen Archipelen vereint und die stumpfen, taubengrauen Körper der Fische verschwinden zwischen diesen Inselgruppen und den Schatten, die aus dem Wasser stammen und nicht vom Rand des künstlichen Teichs. Denn hinter den Trauerweiden ist kein Licht, das Licht muss sich tief am Grund befinden, eine Lampe, denke ich, wie im Wrack eines versunkenen Schiffs, ein verstörendes Licht, das einfach weiterleuchtet, die dunkelgrauen Fischkörper von unten streift und ihnen diesen merkwürdigen, überweltlichen Schein verleiht. Eine Lampe, die für immer brennt, ein ewiges Licht. Dort unten in der Tiefe leuchtet es und die Fische kreisen über dem Licht wie eine löchrige Wolke und erst am Abend, wenn alles schwächer wird (der Sturm, der Tag, die Lust am Gehen), tauchen sie hinab und lassen eine unbewegte Ebene zurück, die an keinen Teich, nicht einmal an so etwas wie Wasser erinnert. Dann ist alles sehr still und nur das Licht leuchtet ungerührt weiter, ein zweifelhafter Bezug, ein ungültiges, zufälliges Zentrum, um das herum sich alles, selbst die faulenden Archipele, versammelt.

Sonntag, 14. März

Nach dem gestrigen Sturm sitze ich am Morgen vor dem offenen Fenster, um zu lesen. Ich habe meine Füße an den Heizkörper gestemmt, meine Beine bilden einen rechten Winkel und draußen ist es so kalt, dass ich nach zehn Minuten bereits steif gefroren bin. Die Kaffeetasse dampft auf dem Fensterbrett, ich höre Günter Schlienz über den Bose-Lautsprecher, dessen Netzteil ich gestern eine Stunde lang unter völlig wahnsinnigen Verwünschungen in der Wohnung suchen mussten und nun erscheint mir diese phasenhafte Anfälligkeit ganz unerheblich und übertrieben. Womit man sich beschäftigt. Woran man sich aufhält. Worüber man in Wut gerät. 

Das meiste ist bedeutungslos, denke ich vor dem Fenster in meinem magentafarbenen Kapuzenpullover und der grünen Trainingshose mit roten Streifen an den Seiten. Gestern habe ich Hamsuns Pan gelesen, vorgestern Tove Ditlevsens Kindheit. Jetzt lese ich den neuen Kracht, während Orphée aux Enfers läuft und ich im Hades angekommen bin. Untermeerische Harfenklänge flattern durch ein moosgrünes Gewölbe, die Stimmen der Sirenen, ein Echo auf den Saiteninstrumenten und dazwischen die Rufe aus dem Inneren des Kosmos, Weltraumstimmen, zitherhaft, voller Vibrato.

Wahrscheinlich wird das heute ein langsamer Tag, denke ich. Einer dieser Tage ohne wirklichen Inhalt, der seinen Sinn bis zum Abend und Verschwinden des Lichts nicht offen legt. Manchmal erwischt man ein Gefühl für die eigene Zeit und für das in Augenblicke gehüllte Dasein, das man Gegenwart nennt, viel häufiger allerdings bemerkt man nicht, worin man steckt, in welchem Abschnitt man sich sozusagen befindet. Dann steht man einfach nur in der Gegend, so wie K und ich am späten Nachmittag gestern und sieht in einen Gewitterhimmel, durch den die Sonne plötzlich bricht. Und die Kontraste zwischen den dunklen Sturmwolken oben und dem irritierend gleißenden Licht dazwischen, das die Uferwiese verbrennt, die Grashalme wie Silberfackeln im Wind flattern lässt und uns blendet, diese Kontraste ziehen uns mit wütender Lebendigkeit in ihren Bann.

Heute morgen im Bett erkläre ich K, ich hätte es satt und eine Grenze sei erreicht, ich müsse endlich ein abenteuerliches Leben führen, ich könne hier nicht einfach weiterleben als Angestellter, der mit steigender Verzweiflung darauf hofft, das Schreiben würde ihn am Ende retten. Das erzähle ich natürlich nicht zum ersten Mal und öde mich auch sofort dabei an. Ich möchte weg, sage ich, denn das ist meine einzige und letzte Antwort auf alles, was mich je betroffen hat. Meine einzige, hilflose Waffe. Schon immer ist es die letzte, mir zur Verfügung stehende Antwort gewesen. Bereits als Kind wollte ich verschwinden. Das Wohin interessierte mich nie, mir ging es immer nur um meine Flucht. 

Ich bin ein einziges Mal von zu Hause weggelaufen und habe mit diesem Ausbruch sowohl meine Eltern als auch mich überrascht. Ich muss fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein und falls ich mich richtig erinnere, war ich damals noch nicht in der Schule. An den Grund meiner plötzlichen Flucht erinnere ich mich allerdings nicht, ich weiß nur, dass ich in meinem Kinderzimmer auf dem Teppichboden saß, um einen Entschluss zu fassen.

Ich würde meine Sachen packen und verschwinden.

Jetzt haue ich wirklich ab, so in etwa werde ich gedacht haben. Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt.

Natürlich reagierte niemand auf meine Drohungen, die bis dahin tatsächlich immer auch leere Drohungen geblieben waren. Aber an diesem Abend (mit einem Mal glaube ich mich an meine Eltern zu erinnern, die noch unten in der Küche beim Abendbrot saßen) griff ich nach meinem Rucksack und begann Hosen und Pullover in ihn zu stopfen. 

Ich sehe diesen Rucksack noch vor mir, ein waschechtes Neunzigerjahremodell in knalligen Neonfarben. Ich packte ihn randvoll, doch ich tat es nicht strategisch, ich plante nicht, indem ich mich fragte, was ich auf meiner Reise am Dringendsten benötigen würde, sondern suchte bloß wahllos in meinem Kleiderschrank herum, noch immer voller Wut und Trotz. Meine Erregung ließ mich nicht vernünftig vorgehen, sondern impulsiv, ich wollte nur weg und verschwinden und das Merkwürdigste, wie ich heute denke, bleibt das völlige Vergessen des Grundes meiner Flucht. Der Anlass meiner ersten, auf mich genommenen Reise ist verschwunden und nur die gefühlte Notwendigkeit, mich endlich von allem befreien zu müssen, blieb zurück. Jene unzweifelhafte Überzeugung, ein rettender Ausweg bestünde für mich allein im Ausbruch aus dem Haus meiner Eltern.

Jemand, der an die Wand gedrängt ist, denkt sicher ähnlich kopflos an das eigene Entkommen.

Die Durchführung der Flucht, ihr genauer Ablauf, verliert im gleichen Maß an Raum, wie der Zustand der Bedrohung, jene unerträgliche Wirklichkeit, vor der man zu flüchten versucht, an peinigender Nähe gewinnt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, der keine Planungen mehr gestattet. Nur der überstürzte Akt, sich von den untragbaren Zuständen in aller Heftigkeit zu befreien, bleibt als Ausweg sichtbar.

In einem solchen Moment habe ich mich stets gefühlt, als verlöre ich mich selbst aus den Augen, glitte mir aus den eigenen Händen.

Und dann plötzlich war mein Rucksack gepackt und ich zerrte ihn auf meine Schultern. 

Ich nahm die alte, braun gestrichene Holztreppe nach unten, zog mir an der Garderobe die Jacke über und meine Schuhe im Flur vor der Toilette an. Vielleicht glaubten meine Eltern damals noch immer an einen Scherz, an eine Grenze, die ich auszureizen versuchte, denn sie mussten die Geräusche im Flur durch die angelehnte Küchentür bemerken. Jetzt glaube ich mich sogar zu erinnern, dass es mit einem Mal sehr still in der Küche wurde, als versuchten meine Eltern herauszuhören, was ich im Flur gerade tat. 

In mir war in diesem Moment alles bis auf einen winzigen Punkt zusammengeschrumpft. Obwohl ich beim Griff an die Klinke der Haustür verstand, dass es nun kein Zurück mehr für mich gab, ohne mich vor den anderen für alle Zeiten lächerlich zu machen, dass ich somit keine wirkliche Wahl mehr besaß und meiner Angst ins Gesicht sehen musste, die draußen auf der abendlichen Straße auf mich wartete, ließ ich mich von dieser Ausweglosigkeit, in die mich mein Vorhaben führte, dennoch nicht überwältigen, sondern drückte die Messingklinke nach unten und trat hinaus in den sommerlichen Abend.

Ich brachte den Vorgarten mit wenigen Schritten hinter mich, öffnete das alte, in den Angeln quietschende Gartentor und nahm den Fußweg hinauf in Richtung Kreuzung.

Der Weg führte am Küchenfenster vorbei und ich wusste, meine Eltern würden mich beobachten, weshalb ich mich dazu zwang, doppelt aufrecht an diesem Fenster entlang zu laufen, genau so, als mache mir das alles überhaupt nichts aus und als hätten sich mein Vater und meine Mutter mein Verschwinden selbst zuzuschreiben. 

Ich lief die Straße hinauf, ohne zurückzuschauen. Ich lief und hielt nicht an, stattdessen aber horchte ich auf jedes Geräusch, besonders in meinem Rücken. Ich versuchte auszumachen, ob sich jemand hinter mir näherte, ob man mir also nachlief oder nicht. Es war unmöglich, mein Verschwinden zu überhören, schließlich hatte ich die Haustür ziemlich laut ins Schloss gezogen. 

An der Kreuzung angelangt, bog ich nach rechts und lief weiter an den Vorgärten und Einfamilienhäusern entlang. Ich folgte einem Weg, den ich kannte und den wir immer wählten, um mit unserem Hund zur Wiese am Stadtrand zu gelangen. Hinter dieser Wiese lag die Landstraße und die einen hohen Hügel überziehenden Schrebergärten. Die Stadt kam dort an ihr Ende.

Als ich eine Nebenstraße querte, begann mir meine Planlosigkeit mit aller Gewalt aufzugehen. Ich würde die Wiese erreichen. Und dann würde ich mich entscheiden müssen, ob ich den Feldweg nahm oder weiter in Richtung Landstraße laufen sollte.

Was würde ich dann tun?

Mein Herz schlug wie wild.

Und plötzlich spürte ich meine Angst.

Die Angst stieg in mir auf und ich erschrak über meine heillose Flucht.

Was hatte ich getan?

Und dennoch hielt ich nicht an. Ich lief weiter, ich musste weiterlaufen, denn nun gab es keine andere Option. Ich würde laufen müssen, bis mir etwas Besseres einfiel, aber ein Anhalten, das kam überhaupt nicht in Frage. Der Gedanke einer Rückkehr tauchte damals nicht für einen Sekundenbruchteil in mir auf.

Dann hörte ich plötzlich Schritte in meinem Rücken und alles spielte sich so schnell ab, dass ich gar nicht mehr in der Lage war zu reagieren.

Heute möchte ich fast glauben, mein Vater habe sich angeschlichen und erst im letzten Augenblick seine Schritte beschleunigt.

Ich fühlte, wie mir jemand unter meine Arme griff und wie ich in die Luft gehoben wurde. Plötzlich saß ich auf den Schultern meines Vaters, der etwas zu mir gesagt haben muss, aber auch das habe ich vergessen.

Auf diesen Schultern endete meine Flucht. Mit seinen Händen hielt mein Vater meine Beine fest, damit das Gewicht meines Rucksacks mich nicht nach hinten zog. 

Mein Vater schwieg auf dem Rückweg, doch am Grund dieses Schweigens, das spürte ich unmissverständlich, lag keinerlei Vorwurf. Vielleicht lag sogar so etwas wie Achtung darin, eine überraschte Anerkennung und natürlich auch Erleichterung darüber, dass alles so gut ausgegangen und ich am Ende nicht tatsächlich spurlos verschwunden war, was ja zu einigen langwierigen Erklärungsversuchen seitens meiner Eltern gegenüber den Behörden geführt haben würde, wie ich annehme.

Und auch ich spürte diese Erleichterung. Ich fühlte mich erlöst, meine Flucht war mir zwar nur zu Hälfte gelungen, doch ich hatte mich zumindest hinaus gewagt. Der Ärger war verflogen, der Grund meines Verschwindens besaß nun kein Gewicht. Alles hatte sich aufgelöst, glücklicherweise aufgelöst. Erleichtert bogen wir erneut in unsere Straße ein und ich fühlte mich, als hätte ich etwas bestanden, das keine wirkliche Probe gewesen war. Etwas, das ich nur schnell wieder vergessen wollte. Etwas sogar, über das ich jetzt, in meiner neu gefundenen Sicherheit, ein wenig erschrak.

Tisch, 10. März

Ist gestern eigentlich etwas passiert?, frage ich mich und sehe nach draußen. An den Zweigen der Buche deuten sich erste Knospen an und bezeichnen das noch unsichtbare Grün, das in wenigen Wochen die Verdickungen des Holzes durchstoßen wird, um sich dann über Nacht wie eine Yogamatte zu entrollen. Im Park öffnen sich die Pelzkörper der Magnolien und die Gärtner verteilen Mulch auf den Rosenstöcken. Die Rose ist eine Pflanze, die in der Natur nicht überlebt, das habe ich vor wenigen Tagen irgendwo gelesen. Man hat sie in die Bedürftigkeit gezüchtet, in die Lebensunfähigkeit hinein. Jetzt steht sie unter Beobachtung und braucht den Menschen und seine mehr oder weniger glückliche Hand. 

Im Hof ist es windstill. Früher einmal, vor so und so vielen Jahrhunderten, hat das Wort Mulch den Staub und die zerfallende Erde bezeichnet. Der Himmel ist grau und will mich an Irland erinnern, obwohl ich niemals in Irland gewesen bin. Irland, das ist eine weitere angelesene Erinnerung unter so vielen anderen, angelesenen Erinnerungen. Und diese angelesenen Erinnerungen verlieren selten ihre Fremdheit, fallen mir kaum noch auf. Die Haarfarben meiner Nachbarn allerdings fallen mir auf, sie wechseln fast wöchentlich. Da ich ihre Gesichter kaum behalte, grüße ich einfach drauflos. Die Menschen lächeln und scheinen zufrieden, auch wenn man sich in dieser Beziehung niemals sicher sein kann. Überhaupt dringen aus den angrenzenden Wohnungen selten deutbare Laute. Nur von oben hämmert und schiebt es wie wild und das fast jeden Tag. 

Über uns wohnt ein Lehrerpärchen, manchmal hole ich Pakete bei ihnen ab, meist sind es Büchersendungen. Der Lehrer ist Mitte Vierzig, nehme ich an, und öffnet mir die Tür mit einem fragenden Blick, wobei er häufig schon das Paket in der Hand hält, als besäße er einen sechsten Sinn für denjenigen, der kommen muss, als hätte er sich seit längerem an die Muster meiner Abholungen gewöhnt. 

Hinter ihm liegt der immer ausnahmslos dunkle Flur. Die Wohnung selbst ist wie unsere eigene geschnitten, so dass ich mir die Größe und Verteilung der Zimmer ungefähr vorstellen kann. Der Lehrer hat graue Haare und sieht ganz gut aus. Die Frau, mit der er zusammenwohnt, habe ich allerdings noch nie gesehen. Aus irgendeinem Grund scheint mir der Lehrer kein richtiger Lehrer zu sein, etwas haftet ihm an, seiner Kleidung vielleicht, seinem verlebten Gesicht und unstetem Blick. Eigentlich wirkt er wie jemand, der haarfein am Leben vorbeigeht, der keinen rechten Zugang findet, um irgendwann im Abseits zu landen. Er wirkt auf mich wie jene gescheiterten Existenzen, die manchmal durch die Straßen laufen und keine greifbare Geschichte besitzen, obwohl alles an ihnen nach Geschichte riecht. Mich würde es nicht wundern, wenn er mir irgendwann erklärte, er wüsste eigentlich nicht, was er hier verloren hätte, in dieser Wohnung, mit dieser unsichtbaren Frau, in diesem Zwischenbereich, der Winter und Frühling auf unerklärliche Weise trennt. Die Geräusche, die aus seiner Wohnung stammen, so als räume er jeden Abend das gesamte Mobiliar in den eigenen Zimmern um, grenzen an Wahnsinn und dieser Wahnsinn verwundert mich nicht, scheint mir fraglos im Bereich des Möglichen zu liegen.

Ich öffne die Sendungen und ziehe die Bücher heraus. Dann lege ich sie auf einen Stapel, der langsam zu einem Turm auf meinem Schreibtisch anwächst. Mein alter Schreibtisch, der sich nun seit ungefähr fünfzehn Jahren in meinem Besitz befindet und doch viel älter ist. Die Vorbesitzer haben ihn gut behandelt, seine Platte wies damals keine Spuren auf. Eigentlich ist es ein Esstisch, an dessen Stirnseiten man eine Verlängerung unter der Platte herausziehen kann. Auch wenn ich mir wünsche, an diesem erweiterten Tisch zu sitzen, um mehr Fläche für Bücher und sinnlose Gegenstände zu haben, reicht der Platz in unserem Schlafzimmer dafür nicht aus. Ein schmaler Kleiderschrank bedrängt den Tisch auf der linken Seite, ein paar Kartons mit Kassetten, Synthesizern und Effekten auf der rechten.

Die Platte des Tischs habe ich in all den Jahren mit Hunderten, vielleicht sogar Tausenden von Kratzern und Wasserringen überzogen. Jeder weitere Ring löste den Tisch von seinen gesichtslosen Vorbesitzern ab, um ihn mit meiner nachlässigen Handschrift zu versehen. Meine Eltern waren immer der Meinung, ich hätte keinen Respekt vor den Dingen, was nicht stimmt. Mein Respekt fällt anders aus, ist sentimentaler, ganz auf unbestimmte Gefühle gerichtet. Der braune Anstrich des Tischs ist an vielen Stellen abgerieben, darunter wird die Maserung des Holzes sichtbar. Der Tisch wackelt heftig, die Spannkraft seiner Konstruktion lässt allmählich nach. Doch das macht ihn zu einem guten Tisch, zu einem Möbelstück mit Charakter.

Auf der abgeriebenen Platte schieben sich Wolkenbahnen durchs Bild. Eine Decke wie in Irland, denke ich, die dunkle Verfugung einer ungewissen Leichtigkeit, die von hellgrauen Arealen durchzogen wird. Ein Hochdruckgebiet trifft auf eine Kaltwetterfront. Ein weiteres Pleistozän kündigt sich an, die Spuren entwickeln ihre eigene Gestalt. Ich schiebe das Wasserglas zurück und greife nach der Kaffeetasse. Die Morphologie der Wolken wird neu gemischt und ich stehe auf, um in Richtung Küche zu verschwinden.

Montag, 8. März

In einem Tagebucheintrag Tomas Espedals lese ich von der Rückkehr des Frühlings nach einem sechsmonatigen Winter. Der Frühling kündigt sich durch eine Motte an, die im Zimmer, sicher unter der Deckenlampe, ihre Kreise zieht. Sofort möchte ich über eine Hummel schreiben, die gestern auf dem Weg am Flussufer lag. Sie befand sich in ihren letzten Zügen, der Körper arbeitete noch heftig und pulsierte sehr schnell, fast als sammelte er Kraft, um sich erneut vom schwarzen Asphalt zu erheben. Als sei die Rückkehr zum Flug noch eine Möglichkeit. Dabei ist alles schon vorbei und die Bewegungen dieses winzigen Körpers, der in der Luft immer ein wenig ungelenk wirkt und schwerfällig, so als flöge da ein taumelndes Gewicht durch die Gegend, deuten nicht das Wiederaufblühen, sondern das Verschwinden des Lebens an.

Ich empfinde für die verfrühten Insekten ein merkwürdiges Mitleid. Die Wärme, die sie lockt, ist keine Illusion, doch hinter ihr, im Schatten, lauert weiterhin der Winter. Man fühlt den kalten Luftzug, sobald man aus dem Licht in eine Seitenstraße tritt oder auf der Uferwiese in den Schatten der Bäume. Ich begreife die Euphorie der Insekten, in denen das Leben durch die erste Wärme wiedererwacht und die nicht genügend Weitblick besitzen, um das Licht als etwas Vorläufiges, vielleicht sogar Trügerisches zu begreifen. Die Wärme ist zwiespältig, sie ist noch jung. Deshalb trifft sie auch keine Schuld, sie ist nicht willentlich trügerisch, verstellt sich nicht. Vielleicht hängt also alles mit der Unvorsichtigkeit der Insekten zusammen, die kopflos in die ersten wärmenden Strahlen stürzen, so wie auch wir das tun, und dann überrascht werden von der Kälte, die sich längst noch nicht zurückgezogen hat. 

Im Gegensatz zu uns allerdings, die wir uns vorbereiten können, trifft die Kälte die Insekten mit aller Macht. Sie haben sie nicht ansatzweise erahnt. Wie hätten sie die Kälte, die sich im Schatten des Lichts verbirgt, auch erahnen können? In dieser Ahnungslosigkeit steckt die Unschuld und der Grund meines Mitleids. Eigentlich sind alle Tiere unschuldig, denn für sie existiert nur das Unmittelbare. Das Licht ist das Licht. Die Wärme ist die Wärme. Sie kann kein Zweites sein. Sie kann nicht gleichzeitig warm und kalt sein, lebenspendend und tödlich. Die Tiere wittern selten Verrat. Das macht sie, genauso wie auch die Kinder, zu den Unschuldigen an sich. Für die Unschuldigen besitzt die Welt noch eine Eindeutigkeit, die sie für uns längst verloren hat.

Mein Mitleid liegt in diesem Umstand beschlossen. Dass ausgerechnet das erste Licht, die erste Wärme, den überstürzten, gerade erst zum Leben erwachten Insekten zum Verhängnis wird. Weil diese erste Wärme noch nicht trägt, weil sie so leicht ist, so schnell verschwinden kann. Dass die Insekten somit einem Missverständnis zum Opfer fallen. Dass sie etwas vorsichtiger hätten sein müssen, etwas geduldiger. Aber die Vorsicht verlangt Berechnung, einen Sinn für das Trügerische und Ambivalente. Unschuldig lassen sich die Tiere übertölpeln.

Doch jetzt denke ich auch, dass im Trügerischen das Wunderbare liegt. Im Ausschalten der Vernunft, im Glauben an das Offensichtliche. Die Bedenken abstellen. Die Hintergründe nicht wahrnehmen wollen. Das, was sich zeigt, als Wahrheit begreifen und nicht als Zeichen für etwas ganz anderes. Darin liegt das Verlockende der Dummheit, der Verrohung, der Abkehr vom Denken. Alles wird einfach, weil es eindimensional wird. Weil die Grauzonen verschwinden, die mittleren Bereiche. Die Welt teilt sich auf in das, was ist und das, was übergangen werden kann. Nur die Oberflächen bleiben zurück. Das Licht auf der Wiese, auf dem Fluss. Die Fabrikanlagen im Hintergrund. Die Rauchsäulen über den Schloten, die schnurgerade in Richtung Himmel wachsen. 

Pad Thai, Büro, 5. März

Am späten Nachmittag schleppt mich K zum Einkaufen hinaus. Sie will am Abend Pad Thai kochen und muss dafür in einen asiatischen Supermarkt. Ich habe nichts dagegen, ziehe mir meine dicke Jacke über (gestern Nacht hat es sich merklich abgekühlt) und dann nehmen wir die Brücke, laufen am Fluss entlang und biegen kurz vor dem katholischen Krankenhaus nach rechts in Richtung Innenstadt.

Unterwegs stoßen wir auf ein paar Krähen, die sich mitten auf dem Weg ziemlich rowdyhaft prügeln. Es fliegen zwar keine Federn, aber das Geschrei ist groß. Ich möchte K gegenüber eine scharfsinnige Bemerkung machen, allerdings fällt mir auf die Schnelle nichts ein und so laufen wir an den ineinander verkeilten Krähen vorbei. Die rühren sich nicht vom Fleck, sind völlig auf ihren Kampf konzentriert, dessen Gegenstand, wie ich annehme, die Vorherrschaft über die Uferpromenade ist. Ich erinnere mich an C und eine Aufnahme, die er vor elf oder mehr Jahren unter dem Alias Krähe verspeist toten Igel veröffentlicht hat.

Hinter mir liegen drei Tage Büroarbeit. Ich beklage mich viel zu häufig über das Büro, denke ich unterwegs, aber auf irgendeine Weise muss ich mir Luft verschaffen. Wer nie in einem Büro gearbeitet hat, noch dazu im Büro einer Kultureinrichtung, weiß nicht, wovon er spricht. Jeder glaubt, in einer eigenen, alles Maß sprengenden Tragödie zu stecken, doch die wahre Tragödie, das ist sicher, steckt in der Kultur und besonders dort, wo sie verwaltet wird.

Das Büro ist mein Kreuzweg, sage ich mir.

Auch wenn mir das Maß des Religiösen gänzlich abgeht, verstehe ich doch die Verbindlichkeit der Passion. Und das Büro ist meine Passion, die Folter, die mir irrsinnigerweise am ehesten entspricht. Davon wussten auch Kafka und Walser und Genazino. Pessoa und Melville. All die schreibenden Büroangestellten. Ich wünschte, ich könnte Bartlebys I’d rather not to an die Wände meiner Zelle malen und jedem verfluchten Telefonidioten ins Gesicht, ich wünschte, die Verweigerung könnte offen ins Feld getragen werden.

Und vielleicht ist das sogar möglich. Vielleicht fehlt mir einfach nur der Mut. Das wäre auch ein Lebensthema, der Mangel an Mut.

In Leipzig stieß ich auf dem Zentralfriedhof vor Jahren auf einen Grabstein, auf den sich der Tote ein eigens verfasstes Epitaph hatte meißeln lassen. Es endete ungefähr so: Was für ein Wahn, dass ich nicht dreimal mutiger gewesen bin. Bis heute hat diese Zeile ihre Gültigkeit behalten. 

Im Büro verbringe ich Stunden mit Erklärungen, der Arbeit an Listen und Übersichten, ich bereite zahllose Abläufe vor, während mich das Vorzimmer der Direktion unablässig zu erreichen versucht. In einer Telefonkonferenz, in der ich seit Jahrzehnten am Museum angestellten Kollegen erkläre, was eine museale Sammlung ist und was nicht („eure Reinigungsmaschinen stehen zwar im Depot, sind aber keine Sammlungsobjekte“), explodiere ich fast, als im Minutentakt die Anrufversuche aus dem Vorzimmer einlaufen. Ein kurzer Hinweis leuchtet dann auf meinem Bildschirm auf, der neueste Schrei der städtischen IT. Doch wer nach drei Versuchen und besetzter Leitung nicht begreift, eine Mail sei das adäquate Mittel der Verständigung, ist einfach hoffnungslos verloren und wird von meiner alttestamentarischen Verachtung gestraft. Für so etwas habe ich wirklich nichts mehr übrig, da versteinere ich und werde superaggressiv.

Gegen Mittag rufe ich die Museumsleitung zurück. Sie übermittelt neue Aufträge, das meiste davon habe ich längst bedacht und erledigt, lasse mir aber nichts anmerken. Sie kann es nicht leiden, wenn andere ein Lösungsvermögen erkennen lassen, das sie selbst nicht besitzt. Und sie hat ein großes Problem mit Kollegen, die in bestimmten Bereichen erfolgreicher sind als sie, die womöglich mehr Erfahrung haben, vielleicht sogar mit einer Ausstellung oder einer Publikation brillieren. So etwas macht sie rasend. Auch schiebt sie gern alles auf die lange Bank, zögert eine Entscheidung bis zum letzten Augenblick heraus. Doch die Notwendigkeit dieser Entscheidung löst sich natürlich nicht auf, sie kehrt ein paar Tage oder Wochen später verschärft zurück und dann muss in Windeseile, oft binnen Stunden gehandelt werden. Unter diesem zeitlichen Druck spielt sich alles ab und natürlich fallen auch die Ergebnisse entsprechend aus.

Jeder im Museum entwickelt andere Strategien, um sich zu schützen. Denn darum geht es in der Welt der Arbeit, denke ich, es geht um Selbstschutz, den Versuch, sich am Ende und trotz allen Widerstands zu behaupten. Das ist der Kampf, auch wenn Kampf womöglich ein zu großes Wort ist. Wir tragen den Kampf nicht mehr offen aus. Der Kampf ist in uns verschwunden und führt dort sein Unwesen und Eigenleben. 

Ich habe die innere und äußere Kündigung kennengelernt, die sich analog zur inneren und äußeren Emigration denken lässt. Die meisten meiner Kollegen haben innerlich mit der Einrichtung abgeschlossen. Sie bewegen sich in einer Grauzone, die man Dienst nach Vorschrift nennen kann und erinnern mich an russische Romane aus dem neunzehnten Jahrhundert. Dostojewski, Gontscharow, Turgenjew, Gogol. Dort finden sich ähnliche Amtsschimmel, die Punkt fünf am Nachmittag den Stift aus der Hand fallen lassen, die sich gegen jeden Mehraufwand mit der aufbrausenden Kraft eines fettleibigen Obristen wehren. Dann gibt es die Jungen, zweifellos Engagierten, zu denen ich mich manchmal zähle. Sie glauben noch an Möglichkeiten, an Veränderung, leisten mehr, als sie müssten und rennen gegen Wände an. Jede Zurücksetzung, sei es durch die Labyrinthe der Bürokratie oder die Unberechenbarkeit der Direktion, knabbert an ihnen. Nach etwa einem Jahr (ein Jahr, das ist die Halbwertszeit des Engagements) lassen sich die Spuren der einsetzenden Resignation unmissverständlich von den Gesichtern ablesen. 

Was mich betrifft, ist die Selbstverleugnung die eigentliche Folter. Das Büro setzt einen ganzen Katalog befremdlichen Verhaltens voraus, ein Glossar zweifelhafter Ausdrücke und Gesten, die bei genauerer Betrachtung wenn nicht an Wahnsinn, so doch an Verstellung und Verschlagenheit grenzen. Niemand sagt natürlich, was er denkt. Jeder taktiert, bringt sich in Stellung. Das Ganze besitzt etwas zweifellos Militärisches, kommt einer Arbeit an Schlachtplänen gleich, die das Plausible gegen die irrationale Gegenwehr der Museumsleitung durchzusetzen versuchen. Da kein Raum für das offene, unverstellte Wort existiert, verwandelt man sich mit den Jahren in einen Knecht, entwickelt Ressentiment und Sklavenmoral, wie das Nietzsche ja ziemlich hellsichtig erkannt hat und Nietzsche war als Professor schließlich auch eine Art Verwaltungsangestellter. Es gibt Momente, in denen ich mich hasse für das Appeasement meiner Worte, die meinen Gegenüber möglichst behutsam zu einer Einsicht bringen sollen, die der Sache und nicht der Eigenliebe dient. Dabei stehe ich kurz vor der Explosion. Doch ich verbiege mich und werfe mir das später auf der Heimreise doppelt vor. 

Ich müsste einen kühleren Kopf bewahren, sage ich mir im Abteil. Ich müsste verschwinden, mich zum wiederholten Mal auf und davon machen. Schließlich sind es nur drei Tage Arbeit in der Woche. Wer kann sich da schon beschweren? Doch diese drei Tage, sie fühlen sich wie Monate an, als verlangsame der Stumpfsinn neben allem anderen auch die Zeit. Am Abend kehre ich völlig zerschlagen heim und versuche K zu erklären, womit ich meinen Tag verbracht habe. Was ist da eigentlich passiert? Tatsächlich hat sich kaum etwas ereignet. Wir sind kein Stück voran gekommen, haben aber viel miteinander gesprochen. Wir haben Verständnis signalisiert, die Notwendigkeit einer Handlung. Es gibt viele Probleme. Wahrscheinlich gibt es Lösungen. Was machen wir, wenn die Museen plötzlich wieder öffnen? Es gäbe da einige Optionen, ja, es gäbe sicher ein Möglichkeit.

Jetzt laufen K und ich durch die letzte Märzkälte. In etwa vierzehn Tagen soll der Frühling endlich beginnen. Auf der Parkwiese stehen Schneeglöckchen, die immer ein wenig traurig mit ihren gesenkten Köpfen wirken und dazwischen entdecke ich Inseln violetter Krokusse. 

Ich müsste alles hinwerfen, geht es mir wieder durch den Kopf. Aber das Geld, sage ich mir sofort, was machst du, um an etwas Geld zu kommen. Mein ganzes Arbeitsleben habe ich im Museum verbracht. Von außen mag es sogar ziemlich aufregend aussehen, aber es ist nicht meins, ich bin in diese Geschichte, wie in so vieles andere auch, ganz ahnungslos hineingerutscht. Die Dinge haben sich ohne meine Zustimmung entwickelt, sage ich mir. Vielleicht ist das die Entfremdung, von der jedes Leben am Ende gezeichnet wird. Und während man diese Entwicklung bedenkt und zu überschauen versucht, vergehen sieben Jahre und man überlegt noch immer, wie es weitergehen kann. Wie es besser wird. Wo der Ausweg liegt.

K gibt mir im Supermarkt den Auftrag, nach getrockneten Shrimps zu suchen. Ich irre ziemlich orientierungslos durch die Gänge und versuche die fremden Alphabete zu entziffern. Ich stoße auf zerkleinerten und mit Chiliflocken gemischten Fisch, auf Einkilopakete mit Röstzwiebeln, auf Sachen, die ich überhaupt nicht zuordnen kann. Doch die getrockneten Shrimps finde ich natürlich nicht. K fragt einen netten Mann, der uns aushilft und sofort in die richtige Abteilung des Ladens führt. Ich bin ihm unendlich dankbar, fühle so etwas wie eine tiefe Verbundenheit mit diesem älteren Herrn, der in einem fremden Land lebt, uns versteht, sehr gut Deutsch spricht. Sofort möchte ich ihm meine Hilfe anbieten und als Kassenkraft im Supermarkt beginnen.

Später packe ich noch eine Riesenladung Tempeh in den Korb, den esse ich manchmal ganz gern. K schaut mich prüfend an. Ob ich das Ding, das wie ein abgepackter flacher Stollen aussieht, auch wirklich komplett schaffen würde. Selbstverständlich, sage ich, das ist ja wohl die Höhe. Als würde ich so eine fermentierte Sojaspielerei nicht im Handumdrehen vernichten können.

Jetzt sitze ich an meinen Schreibtisch. Der Kopf meiner Stehlampe ist auf die Wand gerichtet. Seit Jahren versuche ich K beizubringen, dass indirektes Licht das wahre Licht in einer Wohnung ist. Die Deckenleuchten kann man ignorieren, auch das habe ich von C in Berlin gelernt. Aber K will mir einfach nicht glauben, obwohl sie mehrfach, auch gegenüber der eigenen Familie, betonte, ich besäße ein gewisses Auge für die Einrichtung unserer Zimmer. 

Ich schreibe noch ein wenig. Das ist meine eigentliche Arbeit, denke ich. Ich pendle von einer Arbeit, die nicht meine eigentliche Arbeit ist und nur dazu dient, die Miete zu bezahlen und die Einkäufe, zu meiner eigentlichen Arbeit, die für alles andere existiert, für das tatsächliche Leben. Zwischen diesen beiden Arbeiten erfolgt der Wechsel, aber diesen Wechsel auszuhalten, ist keine Kleinigkeit. Manchmal scheint es mir die eigentliche Leistung zu sein, die Arbeit an sich. Aber jetzt ruft K und das Pad Thai ist fertig. Ich schalte die silberne Stehlampe aus und klappe den Rechner zu.