12. Januar

Im Büro. Ich arbeite nur am Vormittag ein wenig, danach kümmere ich mich um die Gärten, überarbeite die Druckversion, überall fehlen Kursivierungen und so was und obwohl die Arbeit eintönig ist und stumpf, geht sie mir leicht von der Hand. Überlege lang, ob ich das Motto Kosztolanys voranstellen soll (Unser Schicksal besteht aus Sternen und Müll), bin wieder hin und hergerissen, aber nicht aufgrund der treffenden Wahrheit, die ich keinesfalls bezweifle, sondern aufgrund dieses Wortes – Müll –, weil ich glaube, dass der Übersetzer hier geschlampt hat oder aber das Wort Müll im Ungarischen noch einen anderen, zusätzlichen Klang und Ton besitzt. Bei uns ist Müll ja total unpoetisch, denke ich, Abfall aber geht schon wieder, das ist besser. Also sollte man vielleicht eher schreiben: Unser Schicksal besteht aus Abfall und Sternen.

Neulich auf der Brücke über den Neckar gehe ich die Wendeltreppe nach oben und als ich anlange auf dem obersten Treppenabsatz schaut mich eine Krähe von der Balustrade an mit einer leeren Zigarettenpackung im Schnabel. Da weiß man wirklich nicht mehr, was man sagen soll über so viel Dreistigkeit, denn es ist ja klar, dass diese Krähe die Zigarettenpackung überhaupt nicht braucht, weder für den Nestbau noch für sonst eine Aktivität. Das ist reine Sammelwut genau wie bei uns und am Ende tragen die Mistviecher den Müll nur durch die Stadt und sehen uns vorwurfsvoll und ziemlich überheblich an. Obwohl ich Krähen eigentlich sehr mag, denke ich, viel lieber als Tauben und Schwäne.