8. Januar

Ein neues Jahr. Es wäre wunderbar, eine neue Form zu finden und dann plötzlich zu schreiben wie Tomas Espedal zum Beispiel. Plötzlich Umbrüche und Verse, die immer aus dem Ärmel geschüttelt wirken, es aber natürlich nicht sind.

Der Verkehr vor den Fenstern

Ein leichtes Rollen aus der Tiefe

Und der gewichtslose Schnee

Der auf die stummen Gebäude fällt

Wieder gibt es da einen Anfang. Mein Roman wird im Juli, vielleicht auch im August erscheinen, aber ich beginne ganz von vorn. Erste Schritte, ohne jede Hilfestellung, keine Beziehung und nur wenige Unterstützer. Zehn Jahre habe ich gebraucht für einen Roman und auch der ist Brachland wie die ganzen anderen Texte davor (1 kompletter Roman 800 Seiten, 1 Kinderbuch 200 Seiten, 2 Erzählbände, die ich nie abgeschlossen habe, alles unnützes Zeug, von den vielen Anfängen einmal abgesehen). Die Beziehungen fallen mir immer am schwersten, vielleicht habe ich auch zu viele Jahre an Dummheiten verschenkt. Jedenfalls setze ich jetzt an, ganz von vorn, bin zum wiederholten Mal (zum wievielten Mal eigentlich?, das wäre ja wirklich eine wunderbare Berechnung, ein fantastisches Projekt für einen Privatsekretär oder so) ein unbeschriebenes Blatt, wie es immer heißt. 

Das Buch wird erscheinen und untergehen, meiner Mutter erkläre ich am Telefon, dass es wie ein Stein im Teich verschwinden wird. Keine Rezension, keine Verkäufe, so wie es halt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es anderen gelingt. Vielleicht Zufall und Glück, vielleicht das richtige Wort und Geschäftsverständnis. Das alles gehört ja doch dazu. Aber die Birken vor meinem Fenster interessiert das nicht, die stehen einfach weiter unbewegt im fallenden Schnee. Überhaupt sind die Bäume genügsam, nicht einmal das Laub aus dem vergangenen Jahr schütteln sie ab, wahrscheinlich weil der Hinterhofwind richtig schwach ist, ganz im Gegensatz zu den Straßenwinden, wie ich denke. Die Borke der Bäume ist nass und dunkel—Moos wächst an den Astgabelungen, flaschengrün, verzweigte Flechten, die sich mit schwarz gefleckten Arealen mischen, eine richtige Baumpalette, Tropfen wie transparente Perlen an den Spitzen der Adern, die niemals in Richtung Boden fallen und wie festgeklebt sind.